Visualisierung von Musik

Ein komprimiertes Erinnerungsbild von Perotins berühmtem
Stück “viderunt omnes”, das den architektonischen Charakter
dieser frühen polyphonen Musik verdeutlicht, die auch daher
die Bezeichnung „Notre-Dame-Stil“ zu Recht trägt.

“Spem in Alium” von Thomas Tallis verdeutlicht den über-
bordenden Eindruck maximaler polyphoner Struktur der
Renaissance. Das Stück ist als 40-stimmige (!) Motette mit
Abschnitten, in denen sich die polyphone Struktur in reine
Harmonie auflöst, mit kurz aufblitzenden melodischen
Fragmenten. Die intuitiven Farben und Formen sind so
dargestellt, wie sie wahrgenommen wurden, und beruhen
nicht auf ästhetischen Erwägungen.

Klaviermotiv aus Franz Schuberts Lied „Die Stadt“ nach einem
Gedicht von Heinrich Heine, aus „Schwanengesang“ D.957 XI.

György Ligetis “poéme
symphonique” beruht auf dem Klang
100 mechanischer Metronome, die mit unterschiedlichem
Zeitmaß agieren. Annähernd gleichzeitig gestartet, verschwindet
das „Ticken“ so Stück für Stück. Über verschiedene Stufen
komplexer Rhythmik ändert sich das Gesamt-Geräusch von
amorphem Rauschen zur transienten Qualität der einzelnen
Pulse. Die Graphik veranschaulicht diesen Effekt anhand
von 16 Liniengruppen mit verschiedenem Linienabstand und
dementsprechend unterschiedlicher Gruppenlänge. Die
Überlagerung der Gruppen erzeugt eine Struktur, die von
statistischer Ballung links übergeht zu mehr und mehr
vereinfachten Rhythmen rechts.

In Erinnerung an György Ligetis Komposition “Lontano”
reduzieren sich die komplexen, mikrotonalen Strukturen
zu einem landschaftsartigen Bild mit differenzierter Textur.

Arnold Schönbergs Komposition “Farben” als dritter Satz der
“5 Orchesterstücke“ op. 16 ist in Analogie zu impressionistischen
Gemälden (z.B. von Georges Seurat) als „musikalischer
Pointillismus“
bezeichnet worden. Die Visualisierung wurde als mathematisch-
physikalische Transformation mit einer Software zur
Geräuschanalyse
erzeugt (HEAD acoustics Artemis). Erstaunlicherweise zeigt
das
Bild deutlich eine pointillistische Struktur, so wie es intuitiv
bereits beschrieben wurde.

Ein orchestrales Glissando aus der 1. Symphonie von Krzysztof
Penderecki. Nach dem Prinzip der Shepard-Skala bewirkt die
konstant abnehmende Tonhöhe hier die Illusion einer unendlichen
Abwärtsbewegung. Die Transformation durch eine Software zur
Geräuschanalyse beinhaltet Zeit (horizontal von links nach
rechts),
Tonhöhe (vertikal) und Schalldruck (Farbskala).